Oh, du schöne Ostsee!

Es ist Ende November. Die Saison ist vorbei und nur wenige Menschen und ein paar Hunde sind am Strand unterwegs. Ich bin heute ganz bewusst und offen mit allen Sinnen in Heiligenhafen an den Strand gegangen. Der Sand gibt unter meinen Füßen nach. Ich stehe am Spülsaum und höre wie die Wellen an den Strand plätchern. Etwas Wind umstreicht mein Gesicht. Es ist frisch, ich ziehe die Kapuze über meinen Kopf. So ist es besser, geschützt und wohlig warm, die Geräusche sind dumpfer.

Wie gut tut diese Ruhe und die Weite. Das Meer liegt ruhig vor mir. Ein bißchen nur bewegt sich die Oberfläche des Wassers hoch und runter. Schwappt hin und her.

Es sind einige Enten auf dem Wasser und zwei Paar Schwäne in der Nähe des Ufers. Als ich ihnen näher komme, drehen sie die Köpfe weg. Ich spüre, ich störe sie. Ich gehe weiter, auf die Brücke der Seepromenade. Von oben sieht man den Meeresboden – an manchen Stellen leicht türkis, ansonsten sieht man einiges an Tang. Da sind auch die vielen Enten. Sie geben die ganze Zeit ein gleichmäßiges: „A-U, A-U“ von sich. Die Männchen blustern sich auf, recken die Hälse und schwimmen um ihre Angebetenen herum. Und immer wieder: „A-U, A-U“.

Ich nehme einen tiefen Atemzug. Das tut so gut! Nach all den Jahren des Lärmens und Gewusel in der Großstadt. Ich habe das Gefühl, dass die Welt immer lauter und schneller wird. Die Menschen sind oft nicht mehr bei sich selber. Bin ich denn immer bei mir? Ich denke, wahrscheinlich nicht.

Das Meer liegt seit Jahrtausenden einfach nur da. Und es ist gut. So einfach ist das.
Die Menschheit will immer schneller, weiter und höher. Dabei läuft Vieles aus dem Ruder und wir merken es oft nicht einmal.

Ich bin zurück am Strand. Gehe in die andere Richtung weiter. Mache ein paar Fotos und ein Video. Ich will das hier unbedingt festhalten, die Geräusche, wie die Wellen an den Strand plätchern. Das Glitzern der Sonne auf der Oberfläche des Wassers. Am liebsten würde ich das Meer einpacken und mit nach Hause nehmen. Das geht ja leider nicht.

Aber wie gut, dass es dich gibt.
Oh, du schöne Ostsee!

Anmeldung zum Newsletter:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen